Die Kosten der Geldanlage

Bei der Geldanlage sind die Kosten ein nicht zu unterschätzender Faktor. Denn auch sie selbst kostet Geld. Grundsätzlich schmälern Kosten die Rendite. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Wer die Kosten senkt, hat am Ende mehr Rendite. Doch mit welchen Kosten sollte ein Anleger rechnen, wenn er sein schwer verdientes Geld für sich arbeiten lassen will?

Geldanlage kostet Zeit

Geldanlage kostet nicht nur Ihr Geld, sondern auch Ihre Zeit. Vor allem wenn Sie viel selbst machen, sind Sie mit der Analyse von Wertpapieren eine ganze Weile beschäftigt. Sie informieren sich über das Unternehmen, schauen sich die Charts an, überlegen, wie sich die Zinsentwicklung auf Ihre Anlagen auswirkt, und prüfen, ob die Wirtschaftslage günstig für Aktien ist. Sie filtern die Aktien heraus, die Ihnen am vielversprechendsten erscheinen, und sollten die Entwicklung Ihrer Investments ständig im Auge behalten. Natürlich müssen Sie sich vorher das nötige Fachwissen aneignen und Sie sollten auch eine Anlagestrategie für sich entwickeln, damit Sie an der Börse nicht planlos und von Emotionen wie Gier und Angst getrieben agieren. 

Kosten der Informationsgewinnung

Wenn Sie die Geldanlage selbst in die Hand nehmen, müssen Sie neben Ihrer Zeit auch Geld für Fachzeitschriften, Börsenbriefe, Chartsoftware, Bücher und Seminare aufwenden. Sicher findet man im Internet auch viele Informationen kostenlos, aber hier müssen Sie viel Zeit für die Auswahl wichtiger und vertrauenswürdiger Informationen aufwenden. 

Transaktionskosten

Jeder kennt wohl alte Börsenweisheiten wie „Hin und her macht Taschen leer“ oder „Wer viel handelt, macht nur seinen Banker reich“. Das galt früher noch viel mehr als heute. Denn mit dem Aufkommen der Direktbanken haben sich die Transaktionskosten auch für Privatanleger dramatisch reduziert. Früher waren ein Prozent Gebühren beim Kauf und Verkauf die Regel. Heute bieten Direktbanken schon eine Flat-Fee von unter fünf Euro je Transaktion an. Das entspricht bei einem Transaktionsvolumen von beispielsweise 5000 Euro nur noch 0,1 Prozent Gebühr.  

Dadurch ist es heute auch Privatanlegern möglich, eine aktive Anlagestrategie zu verfolgen. Bei den Rückrechnungen der Strategien im RoboVisor haben wir die Transaktionskosten mit 0,1 Prozent berücksichtigt, um Ihnen ein möglichst realistisches Bild zu geben. 

Doch auch heute gilt der Grundsatz: Handele so wenig wie nötig, aber so viel wie erforderlich. Ihre Bank ist natürlich daran interessiert, dass Sie viel handeln und so immer fleißig Gebühren zahlen. Deshalb sind Daytrader auch sehr begehrte Kunden und werden heftig umworben. 

Mindestgebühren beachten

Wer nur wenig Anlagekapital zur Verfügung hat, muss die Mindestgebühren der Transaktionen im Auge behalten. Denn wenn das Transaktionsvolumen zu gering ist, wirkt die Mindestgebühr wie ein Renditekiller. Wenn Sie beispielsweise mit einer Strategie in maximal fünf Aktien aus dem DAX investieren möchten und haben dafür 5000 Euro zur Verfügung, so würden Sie jeweils 1000 Euro in eine Aktie investieren. Das entspricht bei einer Mindestgebühr von fünf Euro je Transaktion einer Gebührenbelastung von 0,5 Prozent beim Kauf und Verkauf einer Position. Wollten Sie dagegen nur 500 Euro nach derselben Strategie anlegen, so hätten Sie eine Gebührenbelastung von fünf Prozent je Transaktion. Das würde die meisten Strategien unwirtschaftlich machen. Viel besser sieht es natürlich mit 25.000 Anlagekapital aus. Hier würden nur 0,1 Prozent an Gebühren je Transaktion anfallen.  

Depotgebühren

Jeder, der ein Wertpapier kauft, benötigt ein sogenanntes Depotkonto, um seine Wertpapiere zu „lagern“. Die Wertpapiere werden darin in Ihrem Namen aufbewahrt und bleiben auch bei einer Insolvenz der Bank sicher Ihr Eigentum. Anders ist das bei einem Sparbuch, Giro- oder Festgeldkonto. Das Geld auf diesen Konten gehört bei einer Bankpleite zur Insolvenzmasse und ist nur über einen Sicherungsfonds der Banken bis zu bestimmten Höchstgrenzen abgesichert. 

Während viele Filialbanken eine Kontoführungsgebühr für das Depot verlangen, die durchaus mehr als 100 Euro im Jahr betragen kann, bieten Direktbanken auch Depotkonten ohne Kontoführungsgebühren an. 


Versteckte Kosten und Provisionen 

Versteckte Kosten wie beispielsweise die Transaktionskosten werden nicht gesondert auf einer Abrechnung ausgewiesen. Diese Kosten werden direkt aus dem Vermögen des Finanzprodukts entnommen und mindern so dessen Wert. Der Anleger bekommt keine gesonderte Abrechnung und übersieht diese Kosten leicht. Wer beispielsweise einen klassischen Investmentfonds erwirbt, zahlt eine jährliche Verwaltungsgebühr, die zwischen 1,5 und 3 Prozent liegt. Dazu kann noch eine sogenannte Performance-Fee kommen, die zehn bis 20 Prozent des Gewinns betragen kann, aber meist nur anfällt, wenn ein bestimmter Mindestgewinn erreicht wurde. Diese laufenden Kosten sind gut versteckt, können aber von jedem Anleger in den „Wesentlichen Anlegerinformationen“ oder im Jahresbericht nachgelesen werden. Bei einem klassischen Investmentfonds werden damit die Kosten für den Betrieb des Fonds, den Fondsmanager und den Vertrieb bezahlt.  

Die laufenden Kosten beinhalten nämlich auch die sogenannte Bestandspflege- oder Abschlussfolgeprovision (Kickback), die ihr Vermittler bzw. Berater jedes Jahr bekommt, so lange Sie den Fonds halten. Diese versteckten Provisionen können zwischen 0,4 Prozent und einem Prozent des Anlagevolumen pro Jahr betragen. Wenn Sie beispielsweise 100.000 Euro in einem Aktienfonds angelegt haben, sind das bei 0,5 Prozent Kickback schon mal 500 Euro jährlich, die an den Vermittler gehen. Übrigens zahlen Sie den Kickback auch, wenn Sie kein Vermittler beraten hat und Sie direkt bei einer Onlinebank den Fonds kaufen. Wenn Sie keinem Vermittler zugeschlüsselt sind, kassiert eben die Bank die Provision von der Fondsgesellschaft. 

Für alle Anleger, die ihre Fonds selbst auswählen, gibt es die Möglichkeit, sich einen großen Teil des Kickbacks auszahlen zu lassen. Onlineanbieter wie Envestor, Rentablo oder Profinance-direkt haben ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, die Kosten bei der Fondsanlage zu senken. Diese Onlineanbieter kooperieren mit renommierten Fondsdepotbanken und erhalten als Vermittler die Kickbacks für die Fonds ihrer Kunden. Die Kunden erhalten anschließend zwischen 50 und 100 Prozent des Kickbacks erstattet. Achten Sie aber immer darauf, dass das Depot bei einer renommierten Bank liegt und der Vermittler das Geld nicht auf ein eigenes Konto umleiten kann. 

Wenn Sie sich von einem Honorarberater beraten lassen oder ein Vermögensverwalter für Sie tätig ist, wird Ihnen der Kickback ebenfalls rückvergütet. Sie haben ja schon mit dem Honorar für die Beratung bezahlt. Honorarberater und Vermögensverwalter dürfen keine Provisionen annehmen.  

ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, sind da sehr viel kostengünstiger zu haben. Denn diese Fonds brauchen keinen Manager, da sie stur einen Index nachbilden, und zahlen auch keine versteckten Provisionen an den Vertrieb. So liegen hier die jährlichen Gebühren zwischen 0,1 Prozent und 0,5 Prozent. Deshalb werden ETFs bevorzugt von Honorarberatern und Robo-Beratern eingesetzt.  

Wer sein Geld direkt in Aktien anlegt, vermeidet die versteckten Kosten vollständig, hat aber auf der anderen Seite mehr Transaktionskosten, da es ratsam ist, sein Geld auf mehrere Aktien zu verteilen. 

Kosten für Beratung und Vermögensverwaltung

Sie können natürlich diese Aufgaben vollständig an einen menschlichen Finanzberater oder Vermögensverwalter delegieren. Aber diese Experten arbeiten verständlicherweise nicht umsonst für Sie. Je qualifizierter und erfolgreicher sie sind, desto teurer sind sie auch. Denn die Zeit, die Ihr Berater für Sie aufwendet, ist kostbar und lässt sich nicht skalieren.  

Darüber hinaus müssen Finanzberater und Vermögensverwalter viele gesetzliche Auflagen erfüllen, deren Umsetzung viel Geld kostet, was am Ende Sie als Kunde zahlen müssen. So verlangen gute Vermögensverwalter schon mal zwei Prozent der Anlagesumme pro Jahr und nehmen oft Kunden erst ab einer Million Anlagekapital an. So können pro Jahr schon mal 20.000 Euro für den Vermögensverwalter anfallen. 

Wer einen unabhängigen Honorarberater engagiert, zahlt häufig auch einen Stundensatz von über 150 Euro. Das summiert sich dann schnell auf mehrere tausend Euro an Honorar. Aber das ist am Ende meist immer noch günstiger, als sich auf die Dienste eines provisionsgesteuerten „Finanzberaters“ zu verlassen, der nur auf den ersten Blick kostenlos für Sie arbeitet und sich über versteckte Provisionen finanziert. 

Sogenannte Robo-Advisor können die Arbeit eines Honorarberaters kostengünstiger anbieten, da der Kunde viele Arbeiten selbst übernimmt und nicht die Zeit eines menschlichen Beraters in Anspruch nimmt. Das Geschäftsmodell der Robos ist skalierbar und rechnet sich für den Kunden auch bei kleineren Anlagesummen. Die meisten Anlageroboter schlagen nach einer Onlinebefragung des Kunden ein breit gestreutes Portfolio mit ETFs vor, welches dann regelmäßig auf die ermittelte Risikostruktur rebalanciert wird. Einfaches Rebalancing kann der Anleger allerdings auch einmal jährlich selbst durchführen und sich so die Kosten für den Robos sparen. 

Wirklich aktives Risikomanagement oder intelligente Anlagestrategien, die auch direkt in Aktien investieren, bieten in Deutschland nur wenige Anlageroboter an, darunter der Marktführer Scalable Capital, Liqid, Solidvest oder RoboVisor. 


Ein Beitrag von:
Autor: Oliver Paesler
Oliver Paesler

entwickelt nicht nur Anlagestrategien für institutionelle Anleger, sondern mit dem Captimizer® auch die Software, um diese zu erstellen und zu testen. Sein erstes Buch über technische Indikatoren erschien 2007 im FinanzBuch Verlag und bereits 2010 wurde er als Experte für systematische Geldanlage vom Fachmagazin Börse Online in der Titelstory „Programmierte Gewinne“ porträtiert.

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