Fünf Regeln, um reich zu werden

In diesem Beitrag habe ich fünf grundlegende Regeln zusammengestellt, die sich in den fast 40 Jahren, in denen ich mich mit der Börse beschäftigt habe, als besonders zielführend erwiesen haben.

1. „Zeit ist Geld“

Dieses Sprichwort stammt aus dem Buch „Ratschläge für junge Kaufleute“ von Benjamin Franklin, das 1748 erstmals erschienen ist. Für den Aufbau eines Vermögens sind Startkapital, Rendite und ausreichend Zeit, um den Zinseszinseffekt zu nutzen, grundlegende Parameter auf dem Weg zum Vermögen.

Lassen Sie den Zinseszinseffekt für sich arbeiten. Wer den Zinsertrag einer Kapitalanlage nicht entnimmt, bekommt in der nächsten Periode auch Zinsen auf die bis dahin angefallenen Zinsen. Dadurch entsteht ein exponentieller Wachstumseffekt, der bei häufiger Wiederholung zu gewaltigen Vermögen führen kann. Je länger die Anlagedauer und je höher die Verzinsung, desto wirkungsvoller kann sich der sogenannte Zinseszinseffekt entfalten. Albert Einstein soll den Zinseszins gar für die „größte Erfindung des menschlichen Denkens“ gehalten haben.

Dieser Wachstumseffekt gilt natürlich nicht nur für Zinsanlagen, sondern auch bei anderen Kapitalanlagen, wenn die Gewinne nicht entnommen, sondern reinvestiert werden. Das ist auch gut so, da es aktuell kaum noch Zinsen auf das Ersparte gibt.

Fangen Sie möglichst früh an, dann sind ihre Chancen, ein Vermögen zu schaffen, besonders gut. Das meinte auch der Starinvestor Warren Buffett, als er sagte: „Mit elf Jahren habe ich mein erstes Geld investiert. Bis dahin war mein Leben ohne Sinn."

Nutzen Sie die Kraft des Zinseszinses, um aus einem kleinen Vermögen ein großes zu schaffen. Je länger diese Kraft wirken kann, desto gewaltiger ist das Ergebnis. Wer mehr Startkapital hat, braucht bei gleicher Rendite weniger Zeit. Wer mehr Rendite erzielt, braucht bei gleichem Startkapital weniger Zeit, bis er sein Vermögen geschaffen hat. Wer wenig Zeit hat, braucht hingegen mehr Rendite oder ein höheres Startkapital.

Wenig Zeit kann allerdings problematisch sein, denn es braucht immer Zeit, bis ein Rückschlag wieder aufgeholt werden kann. Eine hilfreiche Kennzahl dafür ist die längste Verlustphase, die man in der Vergangenheit erlebt hätte.

2. Risiken richtig einschätzen!

Das Risiko entscheidet meist darüber, ob man auf dem Weg zum Ziel aufgibt. Es ist sehr wichtig, dass man mit dem maximalen zwischenzeitlichen Rückgang zurechtkommt und keine schlaflosen Nächte hat, wenn er wirklich eintritt. Im Backtest sieht ein Rückgang von 20 Prozent nicht so schlimm aus, aber man muss auch den Stress in der Realität aushalten können.  

Viele Anleger überschätzen ihre Risikotragfähigkeit und sehen nur die Rendite. Ein Sprichwort sagt nicht umsonst: „Gier frisst Hirn.“ Dass bei einer Rendite von zehn Prozent pro Jahr auch mit einem zwischenzeitlichen Wertverlust von 40 Prozent gerechnet werden muss, klingt nicht dramatisch. Aber meist ändert sich diese Einschätzung bereits dann, wenn man mit einem realen Rückgang des Anlagekapitals von 25 Prozent konfrontiert wird. Der DAX beispielweise hat einen zwischenzeitlichen Wertverlust von 73 Prozent zu verzeichnen. Wenn Sie am 08.03.2000 bei 7987 in den DAX eingestiegen und am 13.03.2003 bei 2354 in Panik wieder ausgestiegen wären, hätten Sie genau den denkbar ungünstigsten Zeitraum für ein Investment erwischt. Dass man nach einem solchen Trauma nichts mehr von der Börse wissen will, ist nachvollziehbar. Aber genau das gilt es durch eine intelligente Anlagestrategie zu vermeiden. 

Ich verdoppele den maximalen Rückgang aus dem Backtest und überlege, ob ich das auch noch aushalten kann. „Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld." Diese Weisheit des Börsenaltmeisters André Kostolany bestätigt sich immer wieder. Wer die zwischenzeitlichen Schmerzen nicht ertragen kann und aufgibt, bekommt auch am Ende kein Geld.

Selbstverständlich gehört auch ein wenig Glück dazu. Wenn man in den ersten Jahren keinen kräftigen Rückschlag erleidet, fällt es sicher leichter, seiner Handelsstrategie zu vertrauen und auch Schwächephasen zu überstehen. Mit einer intelligenten Handelsstrategie versuchen wir den Faktor Glück auf ein Minimum zu reduzieren und eine möglichst gradlinige Vermögensentwicklung zu erreichen.

3. Diversifikation nutzen!

Schon in der Antike machten sich Menschen Gedanken über die Aufteilung ihres Vermögens. Im babylonischen Talmud findet sich beispielsweise der Satz: „Stets teile ein Mensch sein Geld in drei Teile: ein Drittel in Grundbesitz, ein Drittel in Waren und ein Drittel in seiner Hand.“ Diese Faustregel wird allerdings nicht begründet, sondern beruht auf Erfahrungen im Umgang mit Risiken. Er erinnert mich allerdings schon sehr an die heute gebräuchliche Risikostreuung über mehrere Anlageklassen. 

Ähnliche Faustregeln wie „Lege nicht alle Eier in einen Korb" oder „Setze nicht alles auf eine Karte“ sind wohl jedem schon mal zu Ohren gekommen. Diese relativ grobe Art der Risikostreuung wird heute als „naive Diversifikation" bezeichnet. Dabei steht naiv eher für einfache und keineswegs für schlechte Risikostreuung.

Der Nobelpreisträger Harry Markowitz sagte einmal: „Diversification is the only free lunch in investing". Das bedeutet, dass die Streuung des Risikos über verschiedene Aktien und Anlageklassen nichts kostet, aber einen großen Vorteil bringt. Man erhält dadurch ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis. Diversifikation kann das Risiko eines Portfolios erheblich reduzieren, aber nicht ganz ausschalten.

Wer sein Geld in Aktien anlegt, sollte für eine ausreichende Diversifikation sorgen. Alles auf eine Karte zu setzen ist nicht ratsam. Denn ein Unternehmen kann plötzlich in Schieflage geraten oder sogar zum Insolvenzfall werden. Dann ist das gesamte Anlagekapital verloren und man ist aus dem Spiel. Kapitalerhalt ist das oberste Gebot bei der Geldanlage.

Allerdings ist eine ausreichende Diversifikation mit wenig Anlagekapital nicht so einfach. Denn Mindestgebühren können für hohe Kosten sorgen, die erst einmal verdient werden müssen.

Bei fünf Euro Mindestgebühren je Transaktion und „nur“ 5.000 Euro Anlagekapital haben Sie ein Prozent an Kosten je Kauf und Verkauf, wenn Sie das Anlagekapital über zehn Aktien streuen möchten. Eine derartige Kostenbelastung macht viele Handelsstrategien unwirtschaftlich. In diesem Fall sind ETFs besser geeignet, denn sie beziehen sich auf einen Index und der verfügt über eine Basisdiversifikation. So kommt man mit zwei bis drei Positionen im Depot aus und die Transaktionskosten je Kauf und je Verkauf liegen bei „nur“ noch 0,2 Prozent.

Mit 25.000 Euro Anlagekapital kommt auch eine Handelsstrategie in Betracht, die das Anlagekapital auf zehn Aktien verteilt. Dann liegt man wieder bei 0,2 Prozent Transaktionskosten. Wenn man das Kapital um den Faktor zwei hebelt, indem man CFDs oder Faktorzertifikate einsetzt, wären die Transaktionskosten bei 0,1 Prozent. Allerdings verdoppelt sich dann auch das Risiko (maximaler zwischenzeitlicher Wertverlust) bezogen auf das Eigenkapital.

4. Kosten minimieren!

Geldanlage ist nicht kostenlos, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick so erscheint. Die Finanzindustrie willen nur ihr Bestes – nämlich Ihr Geld. Geldanlage verursacht Kosten. Kosten mindern unweigerlich die Rendite, Kostenreduktion erhöht sie. Das sollte aber nicht auf Kosten der Sicherheit geschehen.

Die Kosten sind sicher, die müssen Sie immer bezahlen, während Erträge und Kursgewinne ungewiss sind. Anders als die Rendite stehen die Kosten von vornherein fest. Anders als Steuern und Inflation, die Ihr Vermögen mindern, sind die Kosten allerdings vom Anleger beeinflussbar. Sie sollten die Kosten im Auge behalten und reduzieren, wo es sinnvoll ist. Denn gesparte Kosten erhöhen Ihre Rendite!

Der kostengünstigste Weg ist meist die Direktinvestition in das Anlageobjekt. Aktien und Anleihen können Sie über die Börse kaufen und verkaufen, so dass nur Transaktionskosten und Kosten für die Aufbewahrung (Depotgebühren) anfallen. In diesem Fall übernehmen Sie die Auswahl der Aktien und Anleihen sowie die Aufteilung Ihres Vermögens selbst.

Das Selbermachen erfordert natürlich Zeit und etwas Fachwissen. Allerdings kann Geldanlage auch sehr viel Spaß machen. Die Transaktionskosten können Sie durch den Wechsel von einer Filialbank zu einer günstigen Onlinebank reduzieren. Bei den meisten Onlinebanken fallen auch keine Kontoführungsgebühren für das Depot an. Die Transaktionskosten bei einer Filialbank sind höher, weil Sie der Bankmitarbeiter bei Ihren Wertpapiertransaktionen berät. Wenn Sie darauf verzichten können, spart das viel Geld.

Wer die Auswahl der Aktien nicht selbst vornehmen möchte, kann einen Fonds kaufen und diese Arbeit somit einen Fondsmanager erledigen lassen. Das kostet natürlich Gebühren. Günstiger geht es mit einem ETF. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index wie den DAX oder den MSCI World nachbildet. Deshalb kann bei einem ETF auf den Fondsmanager verzichtet werden, was zu deutlich niedrigeren Gebühren führt.

Wenn Sie auch die Strukturierung Ihres Vermögens nicht selbst übernehmen wollen, können Sie einen Finanzberater oder Vermögensverwalter damit beauftragen. Der Finanzberater schlägt Ihnen dann meist Investmentfonds vor. Bei herkömmlichen Investmentfonds ist der Ausgabeaufschlag und ein Teil der Gebühren als Entlohnung für den Finanzberater gedacht.

Die sogenannte Bestandspflegeprovision ist Teil der Fondsgebühren und wird kontinuierlich den Fondsvermögen entnommen. Nicht nur freie Finanzberater, sondern auch die meisten Bankberater werden in dieser Form vergütet. Deswegen empfehlen sie in erster Linie Investmentfonds.

Bei ETFs gibt es weder Ausgabeaufschlag noch eine Bestandspflegeprovision, deshalb werden sie auch bevorzugt von Honorarberatern empfohlen. Ein Honorarberater bekommt seine Vergütung ausschließlich vom Kunden und darf keine Provisionen annehmen. Empfiehlt er seinen Kunden einen herkömmlichen Fonds, muss er seinem Kunden die Provision rückvergüten.

Da in Deutschland die überwiegende Mehrheit der Finanzberater ihr Geld über Provisionen verdient, denken viele Kunden, die Beratung sei kostenlos. Allerdings ist das ein oft teurer Irrtum, denn mit der Zeit summieren sich die Provisionen. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Berater den Fonds mehr aufgrund der Höhe der Provision als nach dem Bedarf des Kunden auswählt.

Ein Vermögensverwalter darf ebenfalls keine Provisionen eines Fonds behalten, sondern muss sie dem Kunden rückvergüten. Anders als der Honorarberater darf der Vermögensverwalter im Namen des Kunden handeln und so auch direkt Aktien für ihn kaufen und verkaufen. Für seine Dienstleistung stellt der Vermögensverwalter dem Kunden eine Gebühr in Rechnung.

Auch sogenannte Robo-Advisor stellen meist ihre Leistung direkt den Kunden in Rechnung und bevorzugen deshalb ebenfalls ETFs.

5. Nutzen Sie klar definierte Handelsstrategien mit einem statistischen Vorteil!

Eine vollständige Handelsstrategie umfasst vordefinierte Regeln für das „Wann“ (Ein- und Ausstieg), das „Wieviel“ (Positionsgröße) und das „Was“ (Anlageuniversum). Jeder, der eine Anlageentscheidung trifft, muss sich über diese Punkte Gedanken machen.

Das Anlageuniversum definiert, was überhaupt gehandelt werden darf, also die Werte, die beobachtet werden. Beispielsweise könnte man als Anlageuniversum alle Aktien aus dem DAX definieren. Dann darf die Handelsstrategie nur DAX-Aktien auswählen.

Wann ge- und verkauft und welcher Wert ausgewählt wird, bestimmen die Regeln für den Ein- und Ausstieg. Als Letztes muss festgelegt werden, wie viel ge- und verkauft werden soll. Das geschieht nach den Regeln zur Berechnung der Positionsgröße.

Mit einer vollständigen Handelsstrategie lassen sich realistische Tests mit Daten der Vergangenheit durchführen, bevor man nach diesem Regelwerk sein Geld anlegt. Allerdings sind frühere Renditen und Ergebnisse von Backtests keine Garantie für die Zukunft. Aber sie können uns die Entwicklung unseres Vermögens in unterschiedlichen Börsenphasen vor Augen führen. Bei langfristigen Tests über mehrere Jahrzehnte werden mehrere Zyklen aus Hausse und Baisse durchlaufen. Dadurch gewinnt man einen guten Eindruck, mit welcher durchschnittlichen Rendite, aber auch mit welchen Rückschlägen gerechnet werden sollte.

Des Weiteren lässt sich so prüfen, ob eine Handelsstrategie einen statistisch signifikanten Vorteil aufweist. Mit Kennzahlen wie dem Profitfaktor kann festgestellt werden, ob ein positiver Erwartungswert existiert. Nur eine Handelsstrategie mit positivem Erwartungswert sollte immer wieder angewendet werden.

Sehr praktisch ist, dass sich die Regeln eines vollständigen Handelssystems einfach programmieren lassen. Dadurch können die Routinearbeiten an einen Anlageroboter delegiert werden. Warum sollte man täglich Hunderte von Charts checken oder Ranglisten manuell berechnen, wenn Kollege Computer diese Arbeit in Sekunden erledigen kann? Der Anlageroboter meldet sich mit einem Kauf- oder Verkaufssignal, sobald es erforderlich ist. Mit der Unterstützung eines Anlageroboters lassen sich auch Handelsstrategien mit vielen Einzelwerten und mehrere Handelsstrategien parallel zeitsparend in die Praxis umsetzen.

Entscheidend bei der Wahl einer Handelsstrategie ist das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko und nicht allein die Rendite. Wenn man ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis hat, lässt sich die Rendite durch den Einsatz eines Hebels erhöhen. Allerdings erhöht sich dann nicht nur die Rendite, sondern auch das Risiko.

Durch die Kombination mehrerer Handelsstrategien mit unterschiedlichen Handelsansätzen lässt sich das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko verbessern. Das Rendite-Risiko-Verhältnis einer Multistrategie sollte besser als das Rendite-Risiko-Verhältnis jeder Teilstrategie sein.

Ein Beitrag von:
Autor: Oliver Paesler
Oliver Paesler

entwickelt nicht nur Anlagestrategien für institutionelle Anleger, sondern mit dem Captimizer® auch die Software, um diese zu erstellen und zu testen. Sein erstes Buch über technische Indikatoren erschien 2007 im FinanzBuch Verlag und bereits 2010 wurde er als Experte für systematische Geldanlage vom Fachmagazin Börse Online in der Titelstory „Programmierte Gewinne“ porträtiert.

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