Mit dem Abschluss der Gruppenphase hat die Fußball-WM 2026 nun quasi die Halbzeit erreicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Börsenjahr 2026, das Anfang Juli in die zweite Jahreshälfte startet. Bevor viele Anlegerinnen und Anleger ihre Laptops zuklappen und in die Sommerferien gehen, werfen wir einen kurzen Blick auf vier bedeutende Börsenindizes.
MSCI World: Der Favorit liefert – mit Abstrichen
Anleger, die auf den globalen Leitindex MSCI World gesetzt haben, können sich weder beschweren noch euphorisch zeigen. Der Index erreichte am 2. Juni 2026 ein neues Allzeithoch von 4.878 Punkten und steht zum Halbjahresende bei rund 4.850 Punkten. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Index einen Gewinn von gut 8 %. Anleger aus dem Euroraum profitierten zusätzlich von einem Währungsgewinn von 3% aufgrund des stärkeren US-Dollars.
Der Markt zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 uneinheitlich. Investitionen in den physischen Ausbau von KI-Infrastruktur verzeichneten deutliche Gewinne, während mehrere Anlageklassen, darunter auch Gold, die in unsicheren Zeiten typischerweise als sichere Häfen gelten, unterdurchschnittlich abschnitten. Der MSCI World ist stark von den US-Techwerten geprägt und somit auch abhängig von den Entwicklungen in diesem Bereich.
DAX: Eher enttäuschend nach Rekordjahr
Nach einem beeindruckenden Jahr 2025 mit einem Jahresplus von rund 23 Prozent verlief der DAX 2026 bislang deutlich unterdurchschnittlich. Die Aufwärtsbewegung des Vorjahres setzte sich bis Mitte Januar zu einem vorläufigen neuen Allzeithoch von 25.507 Punkten fort, bevor eine zähe Konsolidierungsphase einsetzte.
Zur Halbzeit 2026 weist der DAX ein sehr bescheidenes Plus von ca. 1 Prozent auf. Für viele DAX-Anleger fühlt sich dies wie ein Unentschieden an. Wer in den ersten Januarwochen eingestiegen ist, erlebte zunächst einen Einbruch, gefolgt von einer Erholung und anschließendem Gegenwind. Die Schere zwischen den besten und schlechtesten DAX-Werten beträgt im bisherigen Jahresverlauf über 70 Prozentpunkte – eine Spreizung, die selbst erfahrene Marktbeobachter selten gesehen haben.
Dies zeigt sich auch an wichtigen DAX-Werten: Rheinmetall, der "Highflyer" seit Anfang 2025, stürzte zuletzt regelrecht ab, während sich Bayer nach einem positiven Urteil in der Glyphosat-Thematik in den USA deutlich erholen konnte.
Nasdaq 100: Der Stürmer mit zwei Gesichtern
Der Nasdaq 100 bot Anlegern ein Wechselbad der Gefühle, von spektakulären Gewinnen bis hin zu bitteren Enttäuschungen. Seit Jahresbeginn legte der Index rund 19 Prozent zu, nach einem Plus von 20 Prozent im Gesamtjahr 2025. Für Anleger aus dem Euroraum kamen im ersten Halbjahr 2026 noch etwa 3 Prozent Währungsgewinn hinzu.
Diese durchaus beeindruckende Performance verbirgt jedoch eine deutliche Spaltung innerhalb des Index. Die einstigen KI-Lieblinge Meta und Microsoft blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück und liegen seit Jahresbeginn 14 bzw. 24 Prozent im Minus. Die hohen Ausgaben für KI-Entwicklung machen die Tech-Giganten kapitalintensiver, was viele Anleger dazu veranlasst, keine Aufschläge mehr auf die Aktien zu zahlen. Microsoft wird derzeit so günstig gehandelt wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.
Die Gewinner des ersten Halbjahres kamen hingegen aus einem anderen Bereich: Unternehmen, die direkt vo Investitionsboom rund um KI-Infrastruktur profitieren, konnten deutlich zulegen. Nvidia und Alphabet ragten aus der Gruppe der Tech-Schwergewichte besonders hervor, während Speicherhersteller wie Micron Technologies geradezu explodierten. Im Gegensatz dazu verloren Softwarefirmen wie Intuit, Workday, Adobe, Shopify und Zscaler deutlich an Boden.
MSCI Emerging Markets: Der vergessene Sieger des Halbjahres
Wer in der Halbzeitbilanz 2026 nur auf MSCI World, DAX und Nasdaq schaut, übersieht den vielleicht grössten Überraschungssieger: die Schwellenländer. Der MSCI Emerging Markets entwickelte sich mit einem Zuwachs von über 22% auf Euro-Basis zum heimlichen Star des Halbjahres.
Taiwan und Südkorea – die KI-Infrastruktur-Profiteure: Taiwan Semiconductor (+50%) und Samsung (+190%) sind wichtige Positionen und Taiwan Semiconductor hat als weltgrösster Auftragsfertiger von KI-Chips von genau dem Boom profitiert, der auch die Nasdaq trieb. Neben Samsung und TSMC legte auch SK Hynix – Samsungs koreanischer Rivale im Memory-Chip-Markt – massiv zu. SK Hynix schoss nach starken Micron-Quartalszahlen Ende Juni um 12 Prozent an einem einzigen Tag nach oben – ein Zeichen, wie sehr der Speicher-Chip-Superzyklus den gesamten Sektor mitreisst.
Die nachstehende Grafik zeigt die Wertentwicklung der vier betrachteten Indizes:
Das Halbzeit-Fazit: Gute Chancen, aber kein leichtes Spiel
Das erste Halbjahr 2026 stellte Anlegerinnen und Anleger vor große Herausforderungen. Zollturbulenzen aus den USA, geopolitische Risiken im Nahen Osten, ein Ölpreissprung und ein turbulenter Juni mit einem unerwarteten Halbleiter-Einbruch führten zu erheblichen Marktschwankungen.
Trotz der herausfordernden Marktbedingungen konnten Anlegerinnen und Anleger mit diversifizierten Portfolios zur Halbzeit 2026 in der Regel positive Ergebnisse erzielen. Der Nasdaq 100 zeigte eine starke Performance, während sich der MSCI World gut behauptete und der DAX stagnierte. Der klare Gewinner des ersten Halbjahres ist jedoch der MSCI Emerging Markets mit einem Plus von über 22 %.
Was die zweite Jahreshälfte bereithält, bleibt offen, da niemand eine Glaskugel hat. Die Zinsentscheidungen der EZB, die US-Konjunkturentwicklung und die Frage, ob KI-Investitionen endlich messbare Erträge bringen, dürften aber die Dynamik des zweiten Börsenhalbjahres maßgeblich beeinflussen. Wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft wird auch am Ende (des Börsenjahres) ein Sieger gekürt, möglicherweise ein Überraschungssieger.
