Faktorzertifikate mit Hebel 2: Warum Momentum der ideale Partner für den Hebel ist

Faktorzertifikate mit Hebel 2 verdoppeln die tägliche Kursbewegung – in beide Richtungen. Ihre Stärke entfalten sie nur in klaren Trends, während die tägliche Neuberechnung in Seitwärtsphasen an der Rendite zehrt. Die RoboVisor-Strategie „Trendstarke Aktien Fokus 6 und Plan B mit Faktor 2" nutzt genau diese Logik: Sie kombiniert zwei Momentum-Ansätze aus HDAX und Nasdaq-100 mit dem Hebel und einem Plan B für trendlose Phasen. Der Backtest zeigt beide Seiten – überlegene Renditen, aber enorme Schwankungen und Rückgänge von über 70 Prozent.

Ein Faktorzertifikat verdoppelt die tägliche Kursbewegung – nach oben wie nach unten. Das macht es zu einem der schärfsten Werkzeuge im Anlegerkasten. Doch der Hebel entfaltet seine Stärke nur unter einer Bedingung: einem stabilen Trend. Genau hier setzt die RoboVisor-Strategie „Trendstarke Aktien Fokus 6 und Plan B mit Faktor 2" an – sie verbindet den Hebel systematisch mit zwei Momentum-Ansätzen.


DAS GRUNDPRINZIP: DOPPELTE BEWEGUNG, JEDEN TAG NEU

Ein Faktorzertifikat bildet die tägliche Wertentwicklung eines Basiswerts mit einem festen Hebel ab. Bei einem Faktor von 2 gilt: Steigt die zugrunde liegende Aktie an einem Handelstag um 1 Prozent, gewinnt das Zertifikat 2 Prozent. Fällt sie um 1 Prozent, verliert es 2 Prozent. Der Hebel wirkt in beide Richtungen – und zwar konstant.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Hebelprodukten wie Optionsscheinen liegt in dieser Konstanz: Der Faktor von 2 bleibt immer erhalten. Es gibt keinen Zeitwertverlust im klassischen Sinne und keine Volatilitätsabhängigkeit über die implizite Vola. Dafür handelt man sich einen anderen Effekt ein, der oft unterschätzt wird.

Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch für zweifach gehebelte ETFs, die nach demselben Muster arbeiten. Die hier vorgestellte Strategie nutzt beide Bausteine – Faktor-2-Zertifikate auf Einzelaktien und einen gehebelten ETF – und unterliegt damit durchgehend der gleichen Mechanik.


DER HAKEN: DIE TÄGLICHE ANPASSUNG

Der Hebel bezieht sich ausschließlich auf einen einzigen Handelstag. Jeden Abend wird das Zertifikat rechnerisch neu aufgesetzt – die Bewegung des Folgetags berechnet sich dann auf dem neuen Schlusskurs. Über mehrere Tage entsteht dadurch ein Effekt, den man als Pfadabhängigkeit bezeichnet.

In einem klaren Aufwärtstrend arbeitet dieser Effekt für den Anleger: Die Gewinne bauen auf einer täglich steigenden Basis auf und summieren sich überproportional. In Seitwärtsphasen jedoch kehrt sich das Bild um.

„In Seitwärtsbewegungen haben Faktorzertifikate einen Nachteil gegenüber anderen Hebelprodukten; je volatiler der Markt ist, desto größer wird der Performance-Unterschied. Das sind keine Papiere zum Kaufen und Liegenlassen." – Dirk Heß, Citi


EIN RECHENBEISPIEL (FAKTOR 2)

Angenommen, eine Aktie fällt an einem Tag um 2 Prozent und holt diese Bewegung am Folgetag exakt wieder auf. Für die Aktie steht am Ende ein Plus/Minus von null – das Zertifikat aber liegt leicht im Minus:


Der Verlust wirkt hier winzig. Über viele Handelstage hinweg und bei höherer Schwankungsbreite jedoch summiert er sich spürbar. Je volatiler und richtungsloser der Markt, desto stärker nagt diese tägliche Anpassung an der Rendite. Faktorzertifikate belohnen Trends und bestrafen Seitwärtsphasen.


DIE LOGISCHE KONSEQUENZ: NUR IN KLAREN TRENDS HANDELN

Wenn ein Hebelprodukt seine Stärke ausschließlich in stabilen Trends ausspielt, dann lautet die eigentliche Aufgabe nicht, das richtige Zertifikat zu finden – sondern den richtigen Zeitpunkt. Man müsste also nur dann in einem Faktorzertifikat investiert sein, wenn sich der Basiswert nachweislich in einem Aufwärtstrend befindet, und außen vor bleiben, sobald dieser Trend bröckelt.

Genau diese Aufgabe lässt sich systematisieren – über Momentum-Ansätze, die konsequent auf trendstarke Aktien setzen. Die RoboVisor-Strategie „Trendstarke Aktien Fokus 6 und Plan B mit Faktor 2" zeigt, wie das in der Praxis aussieht.


DIE STRATEGIE IM DETAIL

Die Strategie ist als Multistrategie aufgebaut und investiert in maximal sechs Aktien gleichzeitig – drei aus dem deutschen HDAX und drei aus dem US-Technologieindex Nasdaq-100. Statt direkt in die Aktien fließt das Kapital in Faktor-2-Zertifikate sowie in einen ebenfalls zweifach gehebelten ETF.

Die Auswahl der Werte übernehmen zwei unterschiedliche Momentum-Ansätze:

→ „Turtle-Investor" (HDAX): Die Aktienauswahl erfolgt auf Basis des absoluten Momentums.
→ „Top-Momentumstrategie" (Nasdaq-100): Hier kommen absolutes und relatives Momentum kombiniert zum Einsatz.

Die Diversifikation über zwei Strategieansätze, zwei Anlageregionen und zwei Währungen sorgt dabei für ein ausgewogeneres Chance/Risiko-Profil, als es ein einzelner Ansatz liefern würde.

Plan B: In Phasen, in denen kein sinnvolles Aktien-Investment möglich ist, greift eine alternative Anlagestrategie. Konkret wird die 16-Wochen-Strategie mit maximal einem Drittel des Kapitals aktiviert. Sie hat in der Vergangenheit gerade bei ausgeprägten Abwärtsbewegungen am Aktienmarkt überzeugende Ergebnisse gezeigt und lastet die Liquidität besser aus.

Der Reiz liegt in der Verbindung mehrerer Prinzipien, die einzeln jeweils überzeugend sind und sich gegenseitig verstärken:

→ Momentum identifiziert die Aktien mit der stärksten Aufwärtsdynamik – gleich über zwei unabhängige Ansätze.
→ Der Hebel übersetzt diese Dynamik in eine überproportionale Wertentwicklung.
→ Plan B hält das Kapital auch dann aktiv, wenn der Aktienmarkt keine Trends hergibt.
→ Das Regelwerk sorgt für den systematischen Wechsel – emotionslos und ohne Ermessensspielraum.


DER BLICK IN DEN RÜCKSPIEGEL: CHANCE UND RISIKO IM BACKTEST

Wie wirkt sich diese Kombination aus? Der Dauertest rechnet die Strategie bis ins Jahr 2000 zurück und stellt sie dem MSCI World (Net USD) als Benchmark gegenüber. Die Zahlen zeigen eindrucksvoll beide Seiten des Hebels:



Die Botschaft ist zweigeteilt: Über den langen Zeitraum hat die Strategie in der Rückrechnung ein deutlich besseres Rendite-Risiko-Verhältnis erzielt als die Benchmark – sowohl bezogen auf die Schwankungsbreite als auch auf den maximalen Rückgang. Gleichzeitig sind die absoluten Risiken gewaltig: Eine Volatilität von fast 39 Prozent pro Jahr und ein maximaler Rückgang von über 71 Prozent sind nichts für schwache Nerven. Auch das laufende Jahr zeigt die Kehrseite – die Strategie liegt 2026 zwischenzeitlich zweistellig im Minus, während die Benchmark im Plus notiert.

Warum überhaupt der Hebel? Die gehebelte Variante wurde in erster Linie entwickelt, damit das Regelwerk bereits mit einem Mindestkapital von deutlich unter 25.000 Euro einsetzbar ist. Wer 25.000 Euro oder mehr anlegen möchte, könnte die ungehebelte Variante bevorzugen, die direkt in Aktien investiert: Sie bietet ein besseres Chance/Risiko-Verhältnis, und erfahrungsgemäß fällt es leichter, Verlustphasen ohne Hebel diszipliniert durchzustehen.


WAS ANLEGER DENNOCH BEACHTEN SOLLTEN

Auch die intelligenteste Verpackung ändert nichts an der Grundnatur des Instruments. Zwei Punkte bleiben zentral:

Restrisiko Totalverlust
Auf null fallen kann ein Faktorzertifikat im Tagesverlauf kaum: Ab einem bestimmten Tagesverlust greift eine sogenannte Anpassungsschwelle. Die Berechnung wird dann untertägig gestoppt und auf niedrigerer Basis neu gestartet – das dämpft einen Absturz. Ein Restrisiko bleibt jedoch: Rechtlich sind Faktorzertifikate Inhaberschuldverschreibungen. Wird der Emittent zahlungsunfähig, können die Papiere wertlos verfallen – unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelt.

Der Hebel wirkt in beide Richtungen
Ein Momentum-Filter erhöht die Wahrscheinlichkeit, in Trendphasen investiert zu sein – eine Garantie ist er nicht. Auch stärkste Aufwärtstrends können abrupt drehen, und dann verdoppelt der Hebel auch die Verluste. Ein systematisches Regelwerk reduziert dieses Risiko, es beseitigt es nicht.

Für wen eignet sich das? Der Zusatz „Faktor 2" im Strategienamen steht für hohes Risiko – das ist wörtlich zu nehmen. Diese Strategie richtet sich ausschließlich an Anleger, die einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verschmerzen könnten und den Hebel bewusst als Renditebeschleuniger einsetzen möchten. Sie ist kein Baustein für die Schublade und keine Basis der Altersvorsorge. Voraussetzung ist die Bereitschaft, dem Regelwerk auch in tiefen Verlustphasen konsequent zu folgen.


FAZIT

Der doppelte Hebel ist verlockend, aber kein Selbstläufer. Seine größte Schwäche – die Pfadabhängigkeit in Seitwärtsphasen – lässt sich jedoch gezielt umgehen, wenn man den Hebel dort einsetzt, wo er hingehört: in klaren Trends. Die Strategie „Trendstarke Aktien Fokus 6 und Plan B mit Faktor 2" liefert genau diese Trennschärfe – über zwei unabhängige Momentum-Ansätze, eine Diversifikation über Regionen und Währungen und einen Plan B für trendlose Phasen. So entsteht aus einem spekulativen Einzelinstrument ein Baustein mit klarer Logik: regelbasiert, emotionslos und nachvollziehbar. Die enormen Schwankungen bleiben dabei der Preis, den der Hebel fordert.


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Disclaimer: Die in diesem Artikel dargestellten Inhalte dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Wertpapiere und Finanzinstrumente sind mit erheblichen Risiken verbunden, einschließlich des Risikos eines vollständigen Kapitalverlusts. Anlageentscheidungen sollten stets auf Basis einer individuellen Prüfung der persönlichen finanziellen Situation, der Risikobereitschaft und gegebenenfalls in Rücksprache mit einem zugelassenen Finanzberater getroffen werden.
Dieser Artikel stellt keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) dar.

Ein Beitrag von:
Nils Oesterhaus

studierte in Hannover „Allgemeine Dokumentation“ und arbeitet seit 2003 für die logical line GmbH. Als Chefredakteur des wöchentlich erscheinenden Newsletters "Goyax weekly" kennt er sich bestens mit Aktienmärkten und trendfolgenden Anlagestrategien aus. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Kunden und Lesern weiß er, welche Fragestellungen Kapitalanleger bewegen.

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