Stabile DAX-Aktien im Aufwärtstrend und Plan B

Bei dieser Anlagestrategie wird die LowRisk-Anomalie genutzt, um langfristig mehr Rendite mit Aktien aus dem DAX zu erzielen. Bei einem Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt nutzen wir Plan A und investieren in Aktien mit niedriger Volatilität. Bei einem Abwärtstrend werden alle Aktien verkauft und es tritt Plan B in Kraft. Plan B bedeutet in diesem Fall, dass die frei gewordene Liquidität genutzt wird, um nach abgestimmten Strategien in Gold, deutschen Staatsanleihen und dem ShortDAX zu investieren.

Plan A: Stabile DAX-Aktien

Die Anlagestrategie soll überwiegend in stabilen Aktien aus dem DAX investiert sein und dadurch die LowRisk-Anomalie ausnutzen. Denn eine Reihe von wissenschaftlichen Studien zeigen, dass mit schwankungsarmen Aktien langfristig eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen ist. Außerdem fallen schwankungsarme Aktien bei einem Börsencrash weniger stark und müssen anschließend auch weniger aufholen.
Allerdings gibt es auch Marktphasen, wo die stabilen Aktien träge wirken und von den Highflyern links und rechts überholt werden. Dann gehört viel Disziplin dazu, sich nicht von der Euphorie anstecken zu lassen.
Nach Plan A investieren wir in maximal drei stabile Aktien aus dem deutschen Leitindex DAX. Eine stabile Aktie muss beim Einstieg zu den drei Aktien mit der niedrigsten Volatilität gehören und wird verkauft, sobald sie nicht mehr zu den vier Aktien mit der niedrigsten Volatilität gehört. Die historische Volatilität der Aktie wird über 780 Handelstage berechnet, was drei Jahren entspricht.
Die Wertentwicklung dieser Anlagestrategie, die wir „Stabile DAX-Aktien“ genannt haben, sehen Sie in Grafik 1 als rote Linie. Mit einer Rendite von 9,6 Prozent p.a., seit dem Jahr 2000, kann sie sich durchaus sehen lassen. Der DAX selbst hat im gleichen Zeitraum nur eine Rendite von 2,9 Prozent p.a. erzielt. Auch bei den Risiko-Kennzahlen liegt dieser Ansatz klar vor dem DAX. Auch wenn ein maximaler zwischenzeitlicher Rückgang des Anlagekapitals von rund 44 Prozent sicher noch Potential für Verbesserungen lässt.




Der 200-Tage-Durchschnitt entscheidet, ob Plan A oder Plan B gilt.

Um festzustellen, wann Plan A und wann Plan B zum Einsatz kommt, nutzen wir den 200-Tage-Durchschnitt. Befindet sich der DAX oberhalb seines 200-Tage-Durchschnitts, wird von einem Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt ausgegangen und wir investieren in stabile Aktien (Plan A).
Fällt der DAX unter seinen 200-Tage-Durchschnitt, gehen wir von einem Abwärtstrend aus und alle Aktien werden verkauft. Dann tritt automatisch Plan B in Kraft und wir schauen nach Anlagealternativen. Allerdings wird nicht direkt beim Durchbrechen des Durchschnitts gehandelt, sondern erst, wenn dieser um mindestens drei Prozent über- bzw. unterschritten wird. Würden wir direkt beim Durchbruch handeln, besteht die Gefahr, dass viele Fehlsignale und damit auch viele Transaktionen erzeugt werden. Eine Art neutrale Zone hat sich in der Praxis bewährt. Dann handelt man zwar etwas später, vermeidet aber viele Fehlsignale, wenn der Kursverlauf  des DAX um seinen Durchschnitt oszilliert.
Bei einem Abwärtstrend am deutschen Aktienmarkt werden die stabilen Aktien verkauft und der Anleger fragt sich: Wohin mit dem lieben Geld? Im aktuellen Null- oder sogar Negativzins-Umfeld parkt man sein Geld nur ungern auf dem Konto oder in Geldmarkt-ETFs. Aber das ist immer noch besser, als den Weg nach unten am Aktienmarkt mitzugehen.
In Grafik 1 sehen Sie die Wertentwicklung der Anlagestrategie „Stabile DAX-Aktien im Aufwärtstrend“ (grüne Linie), die das Geld bei einem Abwärtstrend einfach zum Geldmarktzins parkt.
Dadurch ließen sich die Anlageergebnisse gegenüber dem durchgängigen Halten der stabilen DAX-Aktien (rote Linie) deutlich verbessern. Die Rendite p.a. steigt auf 13,2 Prozent und der maximale Rückgang des Anlagekapitals beträgt „nur“ noch 13,8 Prozent. Damit läßt es sich deutlich stressfreier leben, als mit den minus 72,8 Prozent beim DAX oder  den minus 44,6 Prozent der „Stabilen DAX-Aktien“.




Plan B: Wohin mit dem Geld, wenn es am Aktienmarkt nach unten geht

Beim Plan B werden wir die freie Liquidität bei einem Abwärtstrend am Aktienmarkt nutzen, um nach drei Ansätzen zusätzliche Erträge zu generieren. Jede Sekundärstrategie erhält ein Drittel des Anlagekapitals. Allerdings muss das Anlagekapital freigegeben werden, wenn es wieder einen Aufwärtstrend am Aktienmarkt gibt und das Geld von der Primärstrategie, den „Stabilen DAX-Aktien“, benötigt wird.

Sekundärstrategie 1: Gold kaufen, wenn es sich im Aufwärtstrend ist

Gold gilt als Krisenwährung. Allerdings ist es nicht zwangsläufig so, dass Gold steigt, wenn die Aktienkurse  einbrechen. Daher prüfen wir mit einem Trendfolge-Ansatz, ob sich Gold im Aufwärtstrend befindet. Wenn ja, wird ein Gold-ETC gekauft, andernfalls wird das Geld auf dem Konto geparkt.

Sekundärstrategie 2: ShortDAX in saisonal schlechten Zeiten oder deutsche Staatsanleihen

Statistisch gesehen sind die Monate August und September schwache Monate. Daher setzen wir in dieser Zeit mit einem ShortDAX-ETF auf fallende Kurse. In den anderen Monaten investieren wir das Geld in langlaufende deutsche Staatsanleihen. Das Geld wird aber nur investiert, wenn sich der Rentenindex für 10jährige deutsche Staatsanleihen (REX10) im Aufwärtstrend befindet. Andernfalls wird das Geld auf dem Konto geparkt. Wir kaufen dabei nicht direkt Staatsanleihen, sondern nutzen einen ETF auf den Bund-Future, um einfach in den Rentenmarkt zu investieren.
Auch im Nullzins-Umfeld sind deutsche Staatsanleihen sinnvoll, denn gerade in Krisenphasen am Aktienmarkt sind am Anleihenmarkt häufig steigende Kurse zu verzeichnen. Wenn Großanleger dem Aktienmarkt den Rücken kehren, müssen sie das Geld irgendwo unterbringen. Das Geld auf dem Konto zu parken, ist für Großanleger keine Option, so dass sie das Geld in Staatsanleihen parken.

Sekundärstrategie 3: 16-Wochen-Strategie

Die 16-Wochen-Strategie nach Thomas Gebert zeigt gerade in den Abwärtsphasen am deutschen Aktienmarkt  gute Anlageergebnisse. Die 16-Wochen-Strategie beruht auf einem sich wiederholenden 16-Wochen-Rhythmus, in dem es statistisch betrachtet Wochen gibt, die auffällig gute Performance, aber auch Wochen, die besonders schlechte Performance am deutschen Aktienmarkt zeigen. Der Entwickler dieses 16-Wochen-Musters, Thomas Gebert, identifizierte die Wochen 8, 11 und 16 als besonders schwache und die Wochen 13, 14 und 15 als starke Wochen.
In den drei starken Wochen des 16-Wochen-Musters wird das Geld in einen DAX-ETF und in den drei schwachen Wochen in einen ShortDAX-ETF investiert. Außerhalb dieser sechs Wochen wird das Geld auf dem Konto geparkt.

Fazit:

Die Anlagestrategie „Stabile DAX-Aktien im Aufwärtstrend und Plan B“ hat sich in den letzten 20 Jahren sehr gut geschlagen. Mit einer Rendite von über 18 Prozent p.a. und einem maximalen Rückgang von unter 14 Prozent, weist sie ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis von 1,3 auf. Dabei ist die Strategie bequem umsetzbar, weil durchschnittlich nur einmal im Monat Transaktionen anfallen.
Aufgrund der geringen Diversifikation über nur drei Aktien sollte diese Anlagestrategie bevorzugt in Kombination mit anderen Anlagestrategien eingesetzt werden.


Hier geht es zum monatlich aktualisierten Factsheet für diese Anlagestrategie.

Ein Beitrag von:
Autor: Oliver Paesler
Oliver Paesler

entwickelt nicht nur Anlagestrategien für institutionelle Anleger, sondern mit dem Captimizer® auch die Software, um diese zu erstellen und zu testen. Sein erstes Buch über technische Indikatoren erschien 2007 im FinanzBuch Verlag und bereits 2010 wurde er als Experte für systematische Geldanlage vom Fachmagazin Börse Online in der Titelstory „Programmierte Gewinne“ porträtiert.

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