Pantoffel-Portfolio meets Klassiker der Technischen Analyse

Als trendfolgende Alternative zum antizyklischen Rebalancing bei der Pantoffel-Strategie nach der Finanztest-Methode bietet sich der Einsatz des 200-Tage-Durchschnitts an. Die 200-Tage-Linie gehört zu den Klassikern in der Technischen Analyse und wird seit mehr als 60 Jahren eingesetzt. Mit Hilfe des 200-Tage-Durchschnitts lassen sich die Anlageergebnisse für alle Pantoffel-Portfolios deutlich verbessern.

Jeder Börsianer sollte schon mal von diesem aus der Statistik stammenden Verfahren zur mittel- bis langfristigen Trendbestimmung gehört haben.

Die Berechnung des 200-Tage-Durchschnitts

Bei der Berechnung werden die Schlusskurse der 200 vergangenen Handelstage addiert und durch 200 geteilt. Befindet sich der aktuelle Kurs oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts, haben sich die Kurse überdurchschnittlich gut entwickelt und wir befinden uns in einem intakten Aufwärtstrend. Das sorgt für gute Laune bei den Anlegern.

Liegt der aktuelle Kurs unter dem Durchschnitt der letzten 200 Tage, befinden wir uns in einem Abwärtstrend und es herrscht Katzenjammer bei den Anlegern. Das Überkreuzen der Durchschnittslinie wird in der Technischen Analyse als ein Signal zur Trendwende angesehen und so haben wir es auch bei unserer trendfolgenden Variante der Pantoffel-Portfolios eingesetzt.



Wann wird investiert?

Bei diesem Ansatz sind Sie nur dann in einem ETF auf Aktien investiert, wenn sich der Aktienmarkt oberhalb der 200-Tage-Linie im Aufwärtstrend befindet. Fällt der Kurs unter die 200-Tage-Linie, wird der Aktien-ETF verkauft und das Geld auf dem Konto oder in einem Geldmarkt-ETF geparkt. Erst wenn der Aktienmarkt wieder über seinen Durchschnitt steigt, erfolgt der Kauf eines Aktien-ETFs.

Auch bei dem Sicherheitsbaustein, den Anleihen-ETF, gehen wir nach diesem Muster vor. Das führt zwar zu etwas schlechteren Ergebnissen als bei einer Kauf-Halte-Strategie, da es im Testzeitraum nur sehr kurze Rücksetzer im Kursverlauf gab und die Anleihenkurse in Folge der andauernden Zinssenkungen immer weiter gestiegen sind.

Sicherung gegen langfristig steigende Zinsen

Allerdings haben wir mit der Nutzung der 200-Tage-Linie auch eine Sicherung eingebaut, falls es in Zukunft doch mal wieder zu Phasen mit anhaltend steigen Zinsen kommt. Auch wenn sich kaum noch jemand daran erinnert, so gab es in der 1990er-Jahren die letzte nennenswerte Hochzinsphase. Im Jahr 1995 lag die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen noch bei über 6% und heute bekommen Sie nicht mal 0,6% Zins für ihr Geld. Sollten einmal die Zinsen wieder auf 6% ansteigen, so bedeutet dies, dass gehaltene Anleihen stark im Kurs sinken. Dann ist es gut, wenn die 200-Tage-Linie einen Wechsel in den Geldmarkt ermöglicht und Sie so zumindest teilweise vor größeren Kursverlusten bei Anleihen bewahrt.

Fehlsignale vermeiden

Ein Schwachpunkt der 200-Tage-Linie sind die vielen Fehlsignale, die entstehen, wenn der Markt seitwärts verläuft und sich kein klarer Trend ausgebildet hat. Wenn der Kursverlauf dicht an der Durchschnittslinie liegt, passiert es leicht, dass es zu einer Reihe von Fehlsignalen kommt, bevor sich der Trend etabliert hat. Das würde viele Transaktionen auslösen und den Ansatz sehr unbequem machen. Um die Fehlsignale zu reduzieren, wird nicht direkt beim Durchbruch der 200-Tage-Linie gehandelt, sondern erst wenn zusätzlich noch ein Sicherheitspuffer von 3% überwunden wurde. Beim Einstieg wird also erst dann gehandelt, wenn der Kurs mindestens 3% über der 200-Tage-Linie liegt.

Beim Verkaufssignal muss der Kurs folglich 3% unter dem Durchschnitt liegen. Die Nutzung eines Schwellwertes bei der Signalerzeugung ist ein gängiges Verfahren aus der Technischen Analyse, mit dessen Hilfe die Anzahl an Fehlsignalen reduziert wird. Allerdings führt es auch dazu, dass man etwas später handelt und somit weniger von der Trendbewegung profitiert.





Dynamische Asset-Allocation

Der Einsatz der 200-Tage-Linie führt zu einer dynamischen Asset-Allocation über die drei Anlageklassen Aktien, Anleihen und Geldmarkt.


Im RoboVisor finden Sie 12 Pantoffel-Strategien mit 200-Tage-Linie, die alle kostenlos genutzt werden können.

Aktien Deutschland und Staatsanleihen Deutschland in drei Risikostufen: 

Aktien Europa und Staatsanleihen Deutschland in drei Risikostufen:

Aktien weltweit aus den Industrieländern und Staatsanleihen Deutschland in drei Risikostufen:

Aktien weltweit aus den Industrie- sowie Schwellenländern und Staatsanleihen Deutschland 

Rohstoffe, Aktien weltweit aus den Industrieländern und Staatsanleihen Deutschland 


Gold-Pantoffel 75 mit 200-Tage-Linie (dynamisch) 

Ein Beitrag von:
Autor: Oliver Paesler
Oliver Paesler

entwickelt nicht nur Anlagestrategien für institutionelle Anleger, sondern mit dem Captimizer® auch die Software, um diese zu erstellen und zu testen. Sein erstes Buch über technische Indikatoren erschien 2007 im FinanzBuch Verlag und bereits 2010 wurde er als Experte für systematische Geldanlage vom Fachmagazin Börse Online in der Titelstory „Programmierte Gewinne“ porträtiert.

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