Von Couch-Potatos zur Pantoffel-Strategie nach der Finanztest-Methode

Diese sehr bequeme Anlagestrategie nach der Finanztest-Methode setzt nur zwei kostengünstige ETFs ein und eignet sich besonders für Privatanleger mit kleineren Anlagesummen ab 2.000 Euro. Das Anlagemotto lautet dabei: Kosten minimieren und regelmäßig rebalancieren.

Passiv investieren mit ETFs ist eine besonders bequeme Art der Geldanlage, die schon seit mehr als 25 Jahren für Privatanlegern empfohlen wird. Diesen einfachen Ansatz hat auch die Stiftung Warentest mit den Pantoffel-Portfolios aufgegriffen und zu einer einfach umzusetzenden Anlagestrategie für deutsche Privatanleger weiter entwickelt. 

Selbst der Star-Investor Warren Buffett, der es mit seiner geschickten Aktienauswahl zu einem der reichsten Menschen der Erde gebracht hat, empfiehlt seinen Erben, das Geld in Indexfonds mit niedrigen Kosten anzulegen.


Die Couch-Potato-Strategie

Den Anfang machte wohl Scott Burns, der bereits 1991 seine Couch-Potato-Strategie  in seiner Kolumne in den „Dallas Morning News“ vorstellte. Dabei empfahl er, das Kapital je zur Hälfte in einen ETF mit US-Aktien und einen ETF mit US-Anleihen zu investieren und regelmäßig zu rebalancieren. Diese simple Anlagestrategie ist gut für Privatanleger geeignet und lässt sich schon mit zwei Indexfonds auch mit kleinen Anlagekapital umsetzen.
Seine Kolumne vom 29. September 1991 ist auf der Website der „Dallas Morning News“ unter dem Titel „Cooking up coach potato investment“ abrufbar. (Leider ist zur Zeit der Aufruf der Website aus der Europäischen Union wegen der neuen DSVGO nicht möglich.)


Was Warren Buffett seinen Erben rät

Im Jahr 2013 verriet Warren Buffett in einem Aktionärsbrief, was er seinen Erben als letzten Willen in sein Testament geschrieben hat: „Mein Ratschlag an den Treuhänder könnte nicht einfacher sein. Packen Sie zehn Prozent der Barmittel in kurzlaufende Staatsanleihen und 90 Prozent in einen S&P 500-Index-Fonds mit sehr geringen Kosten. Ich glaube, die langfristigen Resultate der Treuhand werden mit diesem Ansatz denen der meisten Investoren überlegen sein - ob nun Pensionsfonds, Institutionen, Einzelpersonen - die Manager mit hohen Gebühren beschäftigen."
Wer es selbst gern im original Aktionärsbrief von Berkshire Hathaway, der Investmentholding von Warren Buffett nachlesen möchte, findet die Ausführungen auf Seite 20.


Die Pantoffel-Portfolios

Ebenfalls im Jahr 2013 stellte die Stiftung Warentest erstmals die Pantoffel-Portfolios in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ vor. Seitdem wird in unregelmäßigen Abständen über diese Anlagestrategie mit hohem Bequemlichkeitsfaktor berichtet. Auch in der einschlägigen Fachpresse wird dieses Anlagekonzept häufig aufgegriffen und meist positiv beurteilt. Die Pantoffel-Portfolios nach der Finanztest-Methode sind eine Abwandlung der „Couch-Potato“-Strategie für deutsche Anleger. Auf ihrer Website stellt die Stiftung Warentest unter: Geld­anlage für Bequeme: Das Pantoffel-Portfolio diese Art der Geldanlage vor.

Eine Kombination der Anlageklassen Aktien und Anleihen

Bei den Pantoffel-Portfolios wird das Anlagekapital auf die beiden Anlageklassen Aktien und Anleihen in Abhängigkeit von der Risikoneigung des Anlegers verteilt. Dabei steht die Anlageklasse der Aktien für hohe Rendite, aber auch für starke Kursschwankungen und somit für einen höheren Stressfaktor. Die Anlageklasse der Anleihen steht hingegen für mehr Sicherheit, geringere Kursschwankungen und weniger Stress, aber auch weniger Rendite.
Die Pantoffel-Portfolios bestehen aus einem Renditebaustein (Aktien) und einem Sicherheitsbaustein (Zinsanlagen), die sich je nach Risikobereitschaft unterschiedlich mischen lassen. In ihrer einfachsten Form sind sie mit jeweils einem ETF auf Aktien und einem ETF auf Staatsanleihen umsetzbar.


Pantoffeln in drei Risikostufen

Nach der Gewichtung des Renditebausteins werden drei Risikostufen beschrieben. Beim Pantoffel-Portfolio 25 ist die Aktie mit 25% und die Zinsanlagen mit 75% gewichtet. Beim Pantoffel-Portfolio 50 sind beide Bausteine gleich gewichtet und beim Pantoffel-Portfolio 75 werden die Aktien mit 75% übergewichtet.
Die Experten von „Finanztest“ definieren eine Reihe von Musterdepots, die unterschiedliche Anlageregionen abbilden und die jeweils in den drei Risikoabstufungen kombiniert werden. So investieren Sie beispielsweise mit der „Deutschland-Pantoffel 25“-Strategie 25% des Anlagekapitals in einen ETF auf deutsche Aktien, mit der „Europa-Pantoffel 50“-Strategie die Hälfte des Anlagekapitals in einen ETF auf europäische Aktien. Mit der „Welt-Pantoffel 75“-Strategie legen Sie 75% des Kapitals in einen ETF an, der weltweit die Entwicklung von Aktien aus den Industriestaaten abbildet.
Für den Sicherheitsbaustein wird immer ein ETF auf Staatsanleihen aus dem Euroraum oder ein Geldmarkt-ETF empfohlen, um Währungsschwankungen auszuschließen.


Mit ETFs die Risiken diversifizieren und Kosten minimieren

Bei diesem Ansatz für bequeme Anleger wird nicht in einzelne Aktien oder Anleihen investiert, sondern die Umsetzung mit ETFs, börsennotierten Indexfonds, vorgenommen. Sollte sich die Struktur des Pantoffel-Portfolios aufgrund unterschiedlicher Wertentwicklung des Rendite- und des Sicherheitsbausteins zu stark verschoben haben, wird ein Rebalancing durchgeführt. In diesem Fall meldet sich unser Robo-Advisor bei Ihnen und teilt mit, wie Sie die Zielstruktur wieder herstellen können. Natürlich müssen Sie dafür eine der angebotenen Pantoffel-Strategien gestartet haben.


Regelmäßig rebalancieren

Rebalancing bedeutet das regelmäßige Wiederherstellen einer vorgegebenen Struktur eines Portfolios. Es ist ein antizyklischer Ansatz, da die Bestandteile des Portfolios, die gefallen sind, wieder nachgekauft und die gestiegenen Bestandteile verkauft werden, bis die Zielstruktur wieder erreicht ist. Weil das Rebalancing oft nur einmal im Jahr durchgeführt werden muss, ist diese Strategie sehr pflegeleicht.



Aktien und Anleihen steigen langfristig

Rebalancing unterstellt, dass alle Bestandteile des Portfolios langfristig an Wert gewinnen. Ist das nicht der Fall, würden Sie regelmäßig Geld in einen Bestandteil Ihres Portfolios verlagern, der immer weiter verfällt. Der japanischen Aktienindex „Nikkei 225“ ist ein gutes Beispiel, dass ein Aktienmarkt über mehr als 20 Jahre (1989 – 2009) überwiegend fallen kann. Das würde jeden Anwender dieses Ansatzes auf eine harte Probe stellen. Die aktuell historisch niedrigen Zinsen sind für diesen relativ statischen Ansatz ein sehr ungünstiges Umfeld.

Gefahr droht bei steigenden Zinsen

In den letzten zwei Jahrzehnten sorgen immer weiter fallende Zinsen dafür, dass die Anleihekurse mit nur kurzen Unterbrechungen nur gestiegen sind. Doch seit einiger Zeit nähern sich die Zinsen dem Nullpunkt oder sind sogar negativ. Das hat zur Folge, dass die laufenden Zinserträge sehr niedrig sind und auch kaum mit steigenden Anleihekursen in Folge weiter sinkender Zinsen zu rechnen ist. Statt einem risikoarmen Zinsertrag erhält der Anleger heute zinsloses Risiko. Sollten die Zinsen doch einmal wieder längere Zeit steigen, würden dadurch die gehaltenen Anleihen im Kurs sinken. Dann könnte sich der Sicherheitsbaustein im Portfolio als eigentlicher Risikofaktor erweisen.

Einsatz in der Praxis

Die Mehrzahl aller Robo-Advisor und Honorarberater setzen in der Anlagepraxis ein derart einfaches Verfahren ein. Leider arbeiten Sie nicht kostenlos für den Anleger und verlangen für Ihre Dienste, also die Auswahl der ETFs und das regelmäßige Rebalancing eine jährliche Gebühr zwischen 0,5% und 1,5% der Anlagesumme. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Ziel-ETFs, die meist zwischen 0,1 und 0,5% pro Jahr liegen. Damit wäre der Anleger schon fast bei der Kostenbelastung eines preiswerten Mischfonds, der vom Prinzip her das gleiche tut.


Keine zusätzlichen Kosten

Da es bei diesem Ansatz in besonderem Maße auf die Minimierung der Kosten ankommt, haben wir uns beim RoboVisor entschieden, die Pantoffel-Strategien kostenlos anzubieten. Es fallen also nur die geringen Gebühren der Ziel-ETFs und sehr selten noch Transaktionskosten an. Selbstverständlich handeln wir nur dann, wenn die Abweichung der Risikostruktur zu groß geworden ist. Das ist ausreichend und spart zudem Transaktionskosten. So kann es sein, dass Sie mehrere Jahre gar keine Transaktion aufgrund des Rebalancing durchführen müssen.Wenn Sie eine Online-Bank nutzen, zahlen Sie meist weniger als 5 Euro je Transaktion und auch das Depotkonto ist oft gebührenfrei. Allerdings müssen Sie beim RoboVisor alle Transaktionen selbst an Ihre Bank weiterleiten und freigeben. Das ist jedoch schnell mit ein paar Mausklicks geschafft und kommt wahrscheinlich nur einmal im Jahr vor. Um Ihr Pantoffel-Portfolio brauchen Sie sich solange nicht zu kümmern, bis sich der Anlageroboter bei Ihnen meldet und Ihnen genau vorschlägt, wie Sie Ihr Depot wieder auf die gewünschte Risikostruktur bringen. Eine wirklich sehr bequeme Sache, wie wir finden.

Pro

  • Diversifikation über Anlageklassen
  • Sehr pflegeleichter Ansatz, weil das Rebalancing oft nur einmal im Jahr durchgeführt wird
  • Kostengünstig mit ETFs umsetzbar


Contra

  • Rebalancing unterstellt, dass alle Bestandteile des Portfolios langfristig an Wert gewinnen.
  • Die vermeintlich sicheren Varianten haben einen hohen Anleihe-Anteil. Probleme im Nullzins-Umfeld bei wieder steigenden Zinsen sind hier vorprogrammiert.
  • Trotz Rebalancing gibt es Phasen mit hohen zwischenzeitlichen Wertverlusten.


Im RoboVisor finden Sie 12 Pantoffel-Strategien mit Rebalancing, die alle kostenlos genutzt werden können. 

Aktien Deutschland und Staatsanleihen Deutschland in drei Risikostufen:


Aktien Europa und Staatsanleihen Deutschland in drei Risikostufen:


Aktien weltweit aus den Industrieländern und Staatsanleihen Deutschland in drei Risikostufen:


Aktien weltweit aus den Industrie- sowie Schwellenländern und Staatsanleihen Deutschland


Rohstoffe, Aktien weltweit aus den Industrieländern und Staatsanleihen Deutschland


Alle im RoboVisor verfügbaren Pantoffel-Strategien mit Rebalancing finden Sie außerdem hier.


Ein Beitrag von:
Autor: Oliver Paesler
Oliver Paesler

entwickelt nicht nur Anlagestrategien für institutionelle Anleger, sondern mit dem Captimizer® auch die Software, um diese zu erstellen und zu testen. Sein erstes Buch über technische Indikatoren erschien 2007 im FinanzBuch Verlag und bereits 2010 wurde er als Experte für systematische Geldanlage vom Fachmagazin Börse Online in der Titelstory „Programmierte Gewinne“ porträtiert.

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